Quelle: Die Welt

Das Ziel gilt für jegliches Auftreten, auch für das Vorstellungsgespräch: Man möchte möglichst perfekt sein mit seinem Vortrag oder mit seiner Eigenpräsentation gute Antworten geben bei unverhofften Fragen. Doch wenn plötzlich Stress aufkommt, weil sich alle Anwesenden auf einen konzentrieren, versagt alles, was notwendig ist, um zu überzeugen. Die Stimme wird zittrig, Schweiß bildet sich auf der Stirn, die Glieder werden schwer, die Konzentration ist weg. Gestandene Manager verlieren in solchen Situationen oftmals den roten Faden oder erleben einen vollkommenen Blackout.


Sie können einfache Fragen nicht mehr beantworten. Intelligenz,  Humor oder Souveränität sind wie weggeblasen. Dafür schleicht sich das Gefühl ein, vollkommen zu versagen. "Wir leben in einer Welt, in der es von zentraler Bedeutung ist, wie man sich gegenüber anderen präsentiert und in der man sich Fehlern gegenüber intolerant zeigt. Dieses Wissen haben viele verinnerlicht", sagt Christiane Weinreich, die als Mediencoach Führungskräfte trainiert und Menschen berät, die zum ersten Mal im Fernsehen auftreten.


"Sich vor anderen zeigen zu müssen, gehört zu den zentralen Ängsten der Menschen. Das gilt ganz besonders für Situationen, in denen man etwas gewinnen oder verlieren kann“, so Weinreich weiter.


Ein probates Mittel, um eine solche Crashsituation zu vermeiden, ist die sorgfältige Vorbereitung: Bei Anfängern gilt das Üben vor kleinen oder befreundeten Gruppen bis sich Routine einstellt. "Ob es sich um einen Vortrag, ein Referat oder eine Prüfungssituation handelt - wer fachlich sattelfest ist, gerät nicht so schnell aufs Glatteis. Eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist deshalb eine solide Basis", sagt Dennis Rabensdorf, stellvertretender Schulleiter der privaten Rackow-Handelsschule in Berlin.

„Bei solch einem Probedurchlauf merkt man recht deutlich, bei welchen Stellen und Argumentationen es klemmt oder hakt", sagt Rabensdorf. Auch Videoaufnahmen sind zur Schulung sehr hilfreich.


Weinreich rät, sich bewusst zu machen, welche Rolle man bei einem Auftritt oder einem Vortrag einnimmt. Die Betreffenden müssen sich vorher darüber klar werden, was von ihnen  erwartet wird. Worüber möchten Sie informieren? Welche Botschaft soll kommuniziert werden. "Solche Fragen sind wesentlich und können helfen den Blickwinkel auf den Auftritt zu verändern." Als Bewerber sollte man sich konkret bewusst machen, dass man mit seinem Leistungsprofil seinem potenziellen Arbeitgeber einen klaren Nutzen bieten kann. Man ist  also in der Lage, als Angestellter des Unternehmens Wertschöpfung zu erzielen. Dies gilt es, in allen Feinheiten, überzeugend darzustellen.


Häufig entwickeln Menschen unter Lampenfieber eine negative Selbstwahrnehmung. Sie rechnen damit, sich bei kleinen Versprechern lächerlich zu machen. Solche Befürchtungen sind meist übertrieben. Kleine Vortragspausen von wenigen Sekunden werden oftmals vom Publikum nicht oder kaum wahrgenommen, wenn der Zusammenhang stimmt. Eine Regel:

„Das Publikum ist viel toleranter gegenüber Fehlern, als man glaubt. Wer kleine Schwächen zeigt, wirkt auf andere menschlich und sympathisch.“