Die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch hängt nicht nur von der Qualifikation, sondern auch von Alter und Herkunft ab. Wie Franz J. Mockenhaupt, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) berichtet, wollen im Herbst fünf Großunternehmen nur noch anonymisierte Bewerbungen annehmen, und so Diskriminierungen verhindern. Mockenhaupt bezweifelt, dass dies ein erfolgreiches Pilotprojekt wird. „Das durch dieses Verfahren angestrebte Ziel, Diskriminierungen zu verhindern, ist zwar ehrenwert. Es wird aber mit einem immens hohen bürokratischen Aufwand erkauft.“


Der Aufwand, alle relevanten Daten wie Angaben zu Alter, Geschlecht, Herkunft, Adresse oder Familienstand aus den Bewerbungsunterlagen zu entnehmen, ist gerade für kleine und mittelständische Unternehmen immens hoch, so die Aussage der Siegener IHK. „Die Diskussion tut zwar gut und sensibilisiert für das Problem“, sagt Franz J. Mockenhaupt. Aber es dürfe keinen Zwang geben, die anonyme Bewerbung einzuführen. „Wer wirklich diskriminieren will, der tut das sowieso – spätestens im zweiten Schritt beim Vorstellungsgespräch“, behauptet der IHK-Hauptgeschäftsführer. In erster Linie zähle für die Unternehmen die Qualifikation für die zu besetzende Stelle und nicht Herkunft oder Familienstand. Das gelte insbesondere vor dem Hintergrund der immer drängender werdenden Demografieprobleme.